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Strategie für die Ablösung von Autodesk PSP

Montag, Februar 05 2018

Interview mit Klaus Hofmann, Koordinator für Softwareentwicklung bei der PROCAD GmbH & Co. KG.

Maschinen- und Anlagenbau ohne PLM geht nicht mehr. Mit Productstream Professional (PSP) wurde eines der beliebtesten PDM-Systeme im AutoCAD und Inventor-Umfeld abgekündigt.

Autodesk bettet PSP-Kunden beim Umstieg von PSP auf Vault Professional derzeit auf Watte. Wie beurteilen Sie als PDM-Kenner der ersten Stunde das Nachfolgeprodukt?

Klaus Hofmann (KH): Das hängt ganz davon ab, was ein Unternehmen mit dem System letztlich erreichen möchte. Wer nur Basisfunktionen im Bereich PDM benötigt, kann seine Inventor- und AutoCAD-Daten damit sicher verwalten. Anwender müssen sich allerdings an ein komplett anderes Bedienkonzept gewöhnen. Durch die in vielen Bereichen geringere Konfigurierbarkeit von Vault im Vergleich zu PSP werden in vielen Fällen auch Anpassungsaufwände durch Zusatzprogrammierungen und deren dauerhafte Pflege durch einen Autodesk-Partner notwendig. PSP-Anwender werden nicht darum herumkommen, sich zu überlegen, wie sie ihr Produktdatenmanagement zukünftig arrangieren wollen.

Ist es denn wirklich so kompliziert, strukturiert vorliegende Daten aus einem PDM in ein anderes zu überführen?

KH: Die ursprüngliche Idee von der ‚seamless migration‘ (nahtloser Übergang) von PSP nach Vault gab es anfangs schon. Aber die Wirklichkeit stellt sich nun doch etwas komplizierter dar. Auch der Übergang von PSP zu Vault geht nicht durch Knopfdruck. Der Aufwand ist durchaus vergleichbar zu anderen neuen Systemen. Die Erfahrungen aus gelungenen Migrationsprojekten zeigen außerdem, dass bei der Datenübernahme in ein neues System eine Datenbereinigung erforderlich ist.

Was muss ein vollwertiges PLM-System heute aus Ihrer Sicht leisten?

KH: All das, was die zukünftige Unternehmens- und Produktstrategie benötigt. Wenn ein Unternehmen neben AutoCAD und Inventor weitere CAD-Systeme einsetzt oder einsetzen will, braucht es eine Multi-CAD-fähige PLM-Lösung – das heißt, es muss möglich sein, Dateien CAD-herstellerübergreifend zu nutzen. Wenn das Unternehmen selbst fertigt, braucht es eine Integration ins ERP-System. Wenn ein Unternehmen mehrere Standorte hat, muss Replikation unterstützt werden. Wenn ein Unternehmen seine Prozesse verbessern will, muss die PLM-Lösung Funktionen für Prozessmanagement bereitstellen. Prozesse für Freigabe- und Änderungsmanagement sind heute unabdingbar. Hier ist es von Vorteil, wenn das PLM schon Templates mitbringt. Product Lifecycle Management benötigt außerdem ein leistungsfähiges Dokumentenmanagement. Dokumente müssen in die Produktstrukturen eingebettet werden. Es muss möglich sein, Dokumente, Maschinen- und Projektakten zu führen.

Welche Rolle spielt die Mechatronik heute im PDM/PLM-Kontext?

KH: Nahezu jedes Maschinenbauelement beinhaltet mittlerweile Komponenten der Elektronik/E-Technik; Mechatronik ist damit Normalfall im Maschinen- und Anlagenbau geworden. Deshalb muss auch ein PDM/PLM-System sowohl die mechanischen Teile als auch solche aus dem Bereich E-Technik/Elektronik gemeinsam führen und managen. Ohne E-CAD-Integration geht es nicht mehr.

Was raten Sie vor diesem Hintergrund den PSP-Anwendern?

KH: Der Umstieg von PSP auf ein zukünftiges PDM/PLM-System will wohlüberlegt sein. Der Schritt zu Vault ist nicht zwangsläufig die einzige Entscheidung. Deshalb sollte diese Entscheidung wie die Neuauswahl eines Systems betrieben werden. Alternative Systeme wie PRO.FILE sollten mit ihren Mehrwerten in Betracht gezogen werden. Kernkriterium ist die Beurteilung des notwendigen heutigen PDM-Funktionsumfanges, wie z.B. Multi-CAD-Fähigkeit oder Dokumentenmanagement-Funktionalitäten. Ich empfehle bei der Entscheidung für eine neue Lösung auch an sogenannte weiche Funktionen zu denken. Damit meine ich, sich zu fragen, wie sehen Support für die CAD-Anwender und der Service für die PLM-Lösung aus?

Wie viel Zeit bleibt den PSP-Anwendern denn noch?

KH: Allzu viel Zeit lassen sollte sich niemand. Ab Ende 2017 gibt es keinen PSP-Support mehr. Jetzt schon gibt es Beschränkungen für die neuesten Versionen von SQL Servern oder auch fremden CAD-Systemen. Außerdem kostet so ein Migrationsprojekt mit einer Datenübernahme von PSP zu einem anderen PDM-System Zeit – intern und mit dem Partner. Dies gilt übrigens auch für den Wechsel von PSP auf Vault, denn auch hier ist eine Datenübernahme erforderlich.


Weitere Informationen: Nachfolger für Productstream Professional gesucht

Zur Person:

Klaus Hofmann, Mitbegründer von COMPASS Systems und ehemaliger Entwicklungsleiter für Autodesk PSP, ist seit 2010 für PROCAD tätig und gilt als einer der bundesweit führenden Spezialisten für Produktdatenmanagement.